NAAM (The Ballad Of Starchild) 12"/MCD
Was für eine coole Überraschung! Nach dem durchschnittlichen, aber vielversprechenden Debüt von Naam im Jahr 2009 mit ein paar coolen Heavy-70's-/Doom-Songs, aber auch vielen Füllern und ein paar langweiligen Stellen, haben sich die Jungs aus Brooklyn drei Jahre Zeit genommen, um die neue EP rauszubringen und ihren Stil zu verfeinern. Während das Debüt eher heavy und doomig war, ist „The Ballad of the Starchild“ viel mehr von Krautrock und Psychedelic beeinflusst. Man hört immer noch leicht, welche Band spielt, aber die manchmal sehr lauten Parts wurden durch klarere Melodien ersetzt und haben einen starken 70er-Jahre-Psychedelic-Vibe.
Die EP beginnt mit Akustikgitarren, die das erste Highlight „Sentry of Skies” einleiten, einen brillanten Krautrock-Song mit zunehmender Intensität, der nahtlos zum zweiten Track „Lands Unknown” überleitet, der ebenfalls den genannten Stil bevorzugt, mich aber ein wenig an den Sound des Debüts erinnert, weshalb ich ihn als den schwächsten der drei echten Songs der Veröffentlichung bezeichne. Auf diese beiden folgen die ersten beiden Songs dieser EP, die ich als Füllmaterial bezeichnen würde: „History's Son” und später „Exit Theme”. Der erste Song hat einfache Drumbeats und Sitar-Klänge, klassischer Psychedelic in Form eines zweiminütigen Instrumentalstücks, der zweite lässt die EP einfach mit elektronischen Klängen und einem Klavier ausklingen, auch nur instrumental. Beide sind nicht schlecht, aber die Frage ist, ob man solche Füllstücke auf einer 26 Minuten langen EP braucht?
Trotzdem umrahmen diese beiden Songs den Titelsong „The Starchild”, auf den es sich definitiv zu warten lohnt! Der über 10 Minuten lange Hymnus beginnt mit klassischen Krautrock- und Psychedelic-Themen und wechselt zwischen langsamen, drogenartigen Passagen und einem riff- und trommelgetriebenen Rausch am Ende. Alles in allem ein Meisterwerk! Auch wenn es auf dieser EP Licht und Schatten gibt, rechtfertigen allein „Sentry of Skies” und „The Starchild” den Kauf dieser Platte. Psych-Rock wird heutzutage selten besser gespielt. Naam greifen die Atmosphäre des Psych der 70er Jahre auf, verlieren dabei aber nie die Fähigkeit, ernsthaften Rock in ihre Kompositionen zu integrieren, wie es so viele andere Psych-Bands heutzutage nicht schaffen.
(Thomas Braun)